Statik im Barock

Vor 1850 gab es das dritte Mezzanine Geschoss und das Belvedere noch nicht. Ein grosses Dach deckte das Barockhaus, wie ein Bogen im vormaligen grossen Flur oben zeigt. Dieser Flur verlief in der Mitte von Osten nach Westen.

Das Barockhaus wurde 1696 gebaut, wie Holzproben belegen. Dieses Haus übernahm der Käufer von Müller 1820.


Die Barockbauweise, nach der das Herrenhaus im Jahr 1696 erbaut wurde, verrät in den vorderen zwei Dritteln einige interessante Statikelemente der Zeit.

Die riesenhaften dreieckigen Schornsteine sind "statische Säulen", wie mir mein Ingenieur Bruder einmal sagte. Sie halten und stützen das Haus.


Blick hinunter


Blick hinauf

Unten sind deshalb relativ kleine Kaminöffnungen mit starken doppelten Stürzen eingebracht.

Kaminöffnung unten

Ihre Maus über dem Bild
zeigt Erläuterungen


Im Barock kannte man "hängende Tragekonstruktionen", wie etwa die tragende Ost-West-Wand in der Mitte des zweiten Geschosses, unter der sich keine Wand oder Säule befand.

Riesenhafte Eichenquerbalken in dieser Wand wurden in der DDR Zeit für eine kleine Tür zerstört. Darunter wurde eine Gasbetonwand gebaut, um die tragende Funktion zu übernehmen.


Tür mit


gekapptem Querbalken

Ohne diese Gasbeton Wand, die die Eingangshalle unsymmetrisch teilt, wäre der Mittelteil des Gebäudes möglicherweise eingestürzt. Vielleicht wurde sie erst gesetzt, als man erkannte, dass der Boden begann, bedenklich durchzuhängen.

Aus diesem Grund konnte diese Gasbetonwand nur teilweise entfernt werden, um wenigstens vorne die Symmetrie und den alten Eindruck in der Eingangshalle wieder herzustellen.


Ein Blick unter die freigelegte Decke der Eingangshalle und früheren Wohndiele gibt den Blick auf ein weiteres statisches Merkmal frei.

Es ist ein von dicken Trägern gerahmtes etwa 1.50 Meter grosses Balkenquadrat in der Mitte des Raumes. Angeblich ermöglichte diese Konstruktion es, grosse Gewichte, wie etwa einen Flügel, oben in die Mitte des Raumes zu stellen, ohne dass man darunter eine Säule oder eine Wand als Stütze benötigte - sagte mir einer der Denkmalschützer.

Heute glaube ich eher die Erklärung eines alten erfahrenen lokalen Statikers und Bauingenieurs, der meinte, dazu hätte das nicht geholfen, er hielte es vielmehr fuer eine Öffnung, durch die schweres, sperriges Baumaterial und Einrichtungsgegenstände nach oben befördert worden waeren. In der Tat ist die Treppe nicht sehr grosszügig ausgelegt.

Die auf den Bildern sichtbare Wand ist die später hinzugefügte DDR Gasbetonwand, die die Halle teilt. Das Balkenquadrat lag ursprünglich in der Mitte.

Ihre Maus über dem Bild zeigt Erläuterungen


Blick quer
West nach Ost


Blick vom Eingang
Süd nach Nord


Unten haben wir uns eines kleinen Computer-Tricks bedient und die Grundrisse des Erdgeschosses und der Beletage übereinander projiziert. Die Kamine sind tatsächlich NICHT von einer Wand durchzogen, wie eingezeichnet, sondern es sind dreieckige hohle Säulen.