Der Salon im Herrenhaus

Der Salon heute

1850 wurden umfangreiche und kostenspielige Umbauten am Herrenhaus vorgenommen. Das Mezzanine Obergeschoss, das Belvedere und der Pavillon entstanden.

Auch der Salon in den beiden Südwesträumen im Erdgeschoss entstand zu dieser Zeit. Getrennt durch zwei Säulen, die später durch einen schweren Brokat Vorhang von vorne verdeckt waren, gliederte er sich in einen grossen und einen kleinen Salon.

Dies waren früher die edelsten Räume, sozusagen die Besucherzimmer, die man zum Schluss nur noch zu hohen Festtagen benutzte.

Zuletzt war hier ein Laden. Die DDR hinterliess diese Räume, wie unten ersichtlich.

Die Ornamente an den Säulen wurden mehrfach überstrichen und zum Teil beschädigt.

Auf dem unten folgenden Bild aus den 50ern ist noch der alte Anstrich der Säulen, wahrscheinlich in Weiss, Blau und Gold sichtbar. Im kleinen Salon war zu der Zeit sehr geschickt und passend eine Theater Bühne aufgebaut.


Denkmalschützer Baumgart berichtet folgendes über den Salon:

 

Begehung des Gutshauses Westenbrügge am 10.9.2006

Farbgebungs- und bauhistorische Befunde

Im Erdgeschoss vorne links befindet sich ein Raum mit antikisierenden Dekoren.

Es handelt sich um eine typische, aber ausgesprochen seltene Dekoration, wie sie im Landkreis vermutlich kein zweites Mal existiert.

Im Zuge der grossen Enddeckungen im alten Ägypten Mitte des 19. Jh. wurde die ägyptische Antike für einen kurzen Zeitraum modern.

Somit passt diese Dekoration in die Umbauzeit um 1850.

Der Raum ist durch eingezogene Wandabschnitte, Unterzug und hölzerne Säulen in zwei Bereiche gegliedert.

Die Decken sind verputzt und mit Leimfarbe weiss gestrichen. Darunter scheint eine dekorative Malerei, vermutlich mit Blau hindurch.

Die Wände besassen ursprünglich eine Wandbespannung. Darauf lassen die in den Ecken eingelassenen Holzleisten mit Nagelreihen schliessen.

Umlaufend sind die Paneele sowie Fensterläden erhalten. Die hölzernen Säulen mit ägyptischem Kapitell besitzen an einigen Profilen und Rosetten Vergoldungen.

Die ursprüngliche Farbigkeit der Säulen, der Paneele, der Fensterläden, des umlaufenden Stuckgesimses, der Mittelrosette liessen sich noch klären. Die Deckenbemalung ist unter Überfassung vorhanden und liesse sich daher auch ermitteln.

Andreas Baumgart


Alte Heizungsanlage und Tapetentür


Bei den Sanierungsarbeiten fanden wir eine sehr elaborate Heizungsanlage, mit der der Salon hätte von dem hinteren Raum beheizt werden können.

Drei Öffnungen führen von dem rückwärtigen Raum durch die Wand. In dem hinteren Raum führt eine zugemauerte schräge Leitung zum Schornstein. Diese Anlage wurde allerdings nie in Betrieb genommen. Russ-Spuren sind nicht erkennbar.

Ausserdem wurde eine Tapetentür im hinteren kleinen Salon gefunden, die zu DDR Zeiten zugemauert wurde.


Alte Einrichtung des Salon.

Blick von vorne in Richtung Nord West in den Salon. Deutlich sichtbar der Vorhang, der die Säulen verdeckt.

Nordwand an der Ostecke des kleinen Salon

Das Bild rechts zeigt den Familienpatriarchen Martin Müller, geb. in Strassfurt bei Eisleben *1698 (da war das Herrenhaus 3 Jahre alt), Senator und Bürgermeister in Lüneburg, + 5.2.1781

Daneben Bilder von Max und Sophie von Müller, Erbauer des Marstalles 1911.

Sophie von Müller wird in der Kirchenchronik für Ihre menschlichen Qualitäten besonders gelobt. Sie starb über 90-jährig während des Krieges.


 

Nordwand

Bilder von Johann Andreas 20.1.1753 - 6.2.1836 und Helene 9.7.1763 -10.7.1828 von Müller, Käufer des Gutes Westenbrügge 1819.

Auf dem Bild ist auch der ursprüngliche Anstrich der Säulenornamente ersichtlich.

Westwand vorne

Ja, es hängen die gleichen Bilder. Man dekorierte um.

Ostwand an der Nordostecke des kleinen Salon.

Auch die Eltern des letzten Gutsherren und der Stammvater finden sich hier an anderen Wänden.

Grosser Salon, Südwestecke

Schreibtisch von Ilse v.M., darüber ein Bild von Wolfgang v. Müller, dem letzten Gutsbesitzer.

 

Bauherr dieser umfangreichen Umbauten 1850 war übrigens Ludwig von Müller, ein Major, der gerade vor zwei Jahren mit 49 seine 19 jährige Frau Hedwig geheiratet hatte.

Er war wohl in jeder Hinsicht ein schneidiger Mann und muss auch noch andere gute Wohnmöglichkeiten gehabt haben, denn sonst hätte seine 30 Jahre jüngere Frau mit dem einjährigen Säugling und Erben Max auf einer Baustelle hausen müssen, wo man gerade das Dach abgerissen hatte.

Allerdings starb er schon 7 Jahre später erst 58-jährig.

Alte Fotos: Dr. Andreas von Müller, Berlin


Der Salon heute